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Interview mit Sabine Kadolph, Dr. Sommer-Team der Bravo

Pubertät 3.0

Was Jugendliche wirklich beschäftigt, weiß wohl kaum jemand so genau wie Dr. Sommer von Bravo. Da es ihn aber bekanntlich nie gegeben hat, sprachen wir mit Sabine Kadolph, einer seiner „Stellvertreterinnen“, über eine schwieriger gewordene Pubertät, nahbare Stars und das wachsende Gesundheitsbewusstsein der Jugendlichen.

jugendvonheute Sind Jugendliche dank Google, Wikipedia, YouTube & Youporn heute abgeklärter und aufgeklärter?
Sabine Kadolph Abgeklärt sind sie sicher nicht und sie sind auch nicht so aufgeklärt, wie man annehmen möchte. Natürlich haben sie mehr Möglichkeiten, sich zu informieren – aber das „Mehr“ an Information schürt auch neue Unsicherheiten.

jugendvonheute Welche Unterschiede gibt es aus Ihrer Sicht zwischen der Pubertät 3.0 und der analogen Pubertät in den 90er Jahren?
Sabine Kadolph Zunächst hat sich die Pubertät an sich nicht verändert. Es ist eine schwierige, aber auch eine sehr schöne und spannende Zeit. Sie beginnt vielleicht ein bisschen früher und die Jugendlichen sind heute auch etwas ungeduldiger, erwachsen zu werden. In den Jahren, in denen der Körper reift, möchten sie schon dieses fertige Körperbild haben, das ihnen gefällt. Der Versuch, sich abzugrenzen, anders sein zu wollen als die Erwachsenen, ist aber nach wie vor da. Was sich gravierend verändert hat, ist die Kommunikation – von Facebook bis Instagram, von Whats App bis Snapchat.

jugendvonheute Ist die Pubertät schwieriger geworden?
Sabine Kadolph Ja. Denn die Jugendlichen sind in der Zeit, in der all diese Veränderungen stattfinden, ohnehin sehr gefordert. Sei es schulisch, sei es in der Familie. Das Elternhaus ist oft nicht mehr so da wie früher – es gibt viele Alleinerziehende und neue Familienkonstellationen. Außerdem sind Jugendliche in der Schule heute viel stärker gefordert als früher und schon sehr in die Zukunft orientiert. Dazu kommt der Druck, bei den Klassenkameraden angesehen und beliebt zu sein. Das alles zu vereinbaren, ist schwierig – und Spaß haben will man ja auch noch.

jugendvonheute Sie sind fast 25 Jahre im Dr. Sommer-Team. Wird es Ihnen nicht manchmal langweilig, immer wieder die gleichen Fragen Pubertierender zu beantworten? 
Sabine Kadolph Überhaupt nicht. Mein Job ist und bleibt spannend. Auch wenn manche Fragen immer wieder kommen, so werden sie doch immer wieder auf neue Art und in anderen Zusammenhängen gestellt.

jugendvonheute Was sind denn die Fragen-Klassiker in neuem Gewand?
Sabine Kadolph Alles rund um das Thema Aufklärung. Und auch mit der Frage „Was ist normal?“ haben wir es quasi tagtäglich zu tun. Ist mein Körper normal? Ist es normal, dass ich schon mit elf meine Tage habe oder mit 14 noch nicht? Ist es normal, dass alle in meiner Klasse größer sind als ich? Diese Fragen bleiben, weil man sich in diesem Alter eben nicht allzu sehr von Anderen unterscheiden will. Und natürlich dreht es sich auch immer wieder ums Verliebtsein: Wie mache ich ihn auf mich aufmerksam? Wie spreche ich sie an?

jugendvonheute Vom Verliebtsein zum Anhimmeln: Früher gehörte das Poster überm Bett zum Teenager-Dasein. Man hat aber den Eindruck: Je intensiver im Fernsehen Superstars gesucht werden, desto weniger scheinen sie die Jugend zu interessieren?
Sabine Kadolph Da muss ich widersprechen. Stars gibt es nach wie vor. Es ist nur eine ganz neue Art von Stars hinzugekommen – die YouTuber, die ganz nah dran sind an der Welt der Jugendlichen. Bibi oder Dagi Bee sind wie die Teenager selbst und beschäftigen sich mit den gleichen Themen. Und deren Poster hängen dann auch im Zimmer. Was es nicht mehr gibt, sind Stars, die über Jahre hinweg mehrere ,Generationen` von Teenagern begeistern, so wie früher Boybands wie Take That. Das ist alles viel schnelllebiger geworden.

jugendvonheute In der eben erschienenen Bravo Dr.-Sommer-Studie 2016 werden die 11- bis 17-Jährigen als „Generation Selfie“ bezeichnet. Sind die massenweisen Selbst-Postings aus Ihrer Sicht Fluch oder Segen?
Sabine Kadolph Beides. Auf der einen Seite ist es gut fürs Ego, sich selbst darzustellen und bewerten zu lassen. Vor allem, wenn dann noch das Feedback kommt: Du siehst toll aus! Aber es kann natürlich schnell ins Gegenteil umschlagen.

jugendvonheute Eben startete die neue Staffel von Germany´s next Topmodel. Und in der Dr. Sommer Studie geben 78 Prozent der Jugendlichen an, dass es einen Zusammenhang zwischen Beliebtheit und „dünn sein“ gibt. Was bedeutet das für die Jugendlichen
Sabine Kadolph Sie spüren einen großen Druck. Aber ich würde das nicht nur an dieser Sendung festmachen. Dass gutes Aussehen und Schlanksein wichtig sind, wird ja überall vorgelebt. Auch deshalb sehen wir es als eine unserer größten Aufgaben, das Selbstbewusstsein der Jugendlichen zu stärken. Denn nur so können sie sich auch in Bezug auf Liebe und Sexualität frei äußern, sagen, was ihnen Spaß macht und was sie sich wünschen – um nur ein Beispiel zu nennen.

jugendvonheute Gibt es denn aus Ihrer Sicht ein Thema, bei dem sich die Jugend von heute besonders deutlich von früheren Teenager-Generationen unterschiedet? 
Sabine Kadolph Was sich total verändert hat ist, dass die Jugendlichen sehr, sehr gesundheitsbewusst geworden sind: Nicht Rauchen, keine Drogen, viel Körperpflege, bewusst Sport treiben und möglichst gesund essen. Wie kann ich mich vegetarisch oder vegan ernähren? Was kann ich machen, um meine Bauchmuskeln zu stärken? Wie kann ich das Beste aus meinem Typ machen? Solche Fragen kommen heute sehr viel früher. Da treffen dann Youtube-Stars wie Bibi mit ihren Schmink- und Styling-Tipps voll ins Schwarze. Das macht den Jugendlichen dann richtig Spaß und das ist dann auch eine sehr schöne Seite dieses Alters. Und wenn Jugendliche dann noch Freunde haben, kann die Pubertät eine ganz, ganz tolle Zeit sein.

Sabine Kadolph ist seit fast 25 Jahren im Dr. Sommer-Team. Das Dr.-Sommer-Team liefert seit 1969 bei allen Fragen rund um Liebe, Sex, Körper und Beziehungen Antworten für die Jugendlichen. Die Rubrik wurde beim Relaunch 2014 auf sieben Seiten deutlich erweitert: mit dem Dr. Sommer-Klassiker „Deine Fragen der Woche“ auf einer Doppelseite, dem Special zu einem aktuellen Thema aus der Lebenswelt der Leser, im Wechsel der Bodycheck und die Rubrik „Das erste Mal“ (zu Themen wie der erste Streit, der erste Sex, das erste Mal beim Anderen übernachten etc.) und dem Pärchen-Talk „Liebe & Sex“. Auf BRAVO.de hat Dr. Sommer einen eigenen Channel; Dr. Sommer-TV bietet ausgewählte Themen im Videoclip-Format.

Der Hashtag in der Werbung

Die massive Präsenz des #Hashtags in aktuellen Fernsehsendungen zahlt sich für Twitter offenbar aus. Knapp 88 Prozent der 14- bis 39-Jährigen kennen den „#“. Bei Älteren lassen sowohl die Bekanntheit als auch die Wahrnehmung der Twitter-Raute in der Werbung stark nach, so eine TNS Infratest-Studie, die der Kurznachrichtendienst selbst in Auftrag gegeben hat. 

Erste Diät mit 12, erster Sex mit 17

Dr. Sommer (den es nie gab) tut, was er immer schon tat: Er klärt das junge Deutschland auf. Früher im Auftrag der guten alten Jugendzeitschrift Bravo, heute im Dienste der „Multimediamarke Bravo“. Soeben veröffentlichte die Bauer Media Group die Dr. Sommer-Studie 2016. Das erste, für Eltern vermutlich erfreuliche Ergebnis: Youporn & Co haben offenbar wenige Auswirkungen auf das reale pubertäre Liebesleben.

Ich bin dann mal weg – bei Facebook

Mitte letzten Jahres berichteten wir über ein kleines zartes „Trendchen“ – mittlerweile hat es sich zum ausgewachsenen Trend gemausert: Man kann als junger Mensch wieder ohne soziale Netzwerke wie Facebook existieren! Das haben inzwischen mehr als ein Viertel der Kinder und Jugendlichen festgestellt. Während 2012 noch 87 Prozent der zwölf – bis 19-jährigen Internet-Nutzer „zumindest selten“ soziale Netzwerke besuchten, sank der Anteil der wenigstens gelegentlich Aktiven auf aktuell 73 Prozent. Auch bei den regelmäßigen Nutzern gab es massive Einbrüche, so die JIM-Studie 2014 des Medienpädagogischen Forschungsdienstes Südwest (Stuttgart).

E-Mail? Wie altmodisch!

E-Mail ist bei Jugendlichen fast so out wie der klassische Brief auf Papier. Auf die Frage nach ihren drei wichtigsten Kommunikationskanälen nennen nur noch sieben Prozent der 10- bis 18-Jährigen die E-Mail. Lediglich der Brief auf Papier, von der (Schnecken-)Post befördert, wird noch seltener angegeben (drei Prozent). Die wichtigsten Wege um sich mit Freunden auszutauschen sind Handy-Kurznachrichten inklusive WhatsApp (70 Prozent) sowie persönliche Gespräche (66 Prozent), gefolgt von Festnetztelefonaten (36), Social Media (32) und Handyanrufen (28 Prozent) – so eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom.
Doch nicht nur deutsche Jugendliche wenden sich von der einst so unentbehrlichen E-Mail ab. Das Marktforschungs-Institut TNS Infratest spricht global schon vom „Death of E-Mail Marketing“.

Wahre und andere Freunde

Wie kann man mit Hunderten von Menschen in sozialen Netzwerken „befreundet“ sein? Was bedeutet eigentlich „Freundschaft“ im Zeitalter von Facebook? Über die Inflation des Begriffs haben Journalisten, Soziologen und Psychologen schon Hunderte von langen Artikeln geschrieben. Dabei ist die Antwort ebenso kurz wie einfach: Echte Freundschaft bedeutet für Teenager und junge Erwachsene genau dasselbe wie für frühere Generationen, die in den tristen Zeiten ohne Internet, Smartphone oder Social Media aufwuchsen. Freunde reden miteinander, sie treffen sich, sie unternehmen etwas gemeinsam. Das zeigt jetzt die DIVSI U25-Studie des Deutschen Instituts für Vertrauen und Sicherheit im Internet (Hamburg). Demnach haben 18- bis 24-Jährige im Schnitt 175 Online-Freunde, von denen sie rund 100 persönlich kennen. Etwa 20 treffen sie regelmäßig, neun davon zählen sie zu ihren engeren Freunden – inflationsbereinigt um die reinen Online-Bekanntschaften dürfte sich die Anzahl realer Freunde in den letzten Jahren also nicht großartig verändert haben.

Oh Shit…Was tun, wenn der „Storm“ wütet?

„Sturm der Entrüstung in einem Kommunikationsmedium des Internets, der zum Teil mit beleidigenden Äußerungen einhergeht“ – so definiert der „Duden“ den Begriff Shitstorm. Dank Facebook, Twitter und Co. kann heute jeder zum (Shit-)Sturm blasen. Mal ist der Auslöser ein Phantom-Tor, mal eine Scheibe Wurst, mal eine unbedachte Äußerung. Gerade trifft der üble Gegenwind Bayer-Leverkusen-Stürmer Stefan Kießling wegen seiner Reaktion auf das Phantom-Tor (heftige Beleidigungen inklusive). Letztes Jahr empörten sich Veganer massiv und medienwirksam, als Basketball-Star Dirk Nowitzki in einem ING-DiBa-Spot beim Metzger eine Scheibe Wurst aß. Und nach Angela Merkels „Das Internet ist für uns alle …“ wurde #Neuland zum hämischen Top-Twitter-Thema.