… dachte ich jedenfalls. Dabei war ich nur im Drogeriemarkt um die Ecke. Hier hatten gleich vier Influencer – von B (Bibisbeautypalace-Bilou-Duschschaum) bis Z (UK-YouTuberin Zoella und die Zopfgummi-verkaufenden Zahnspangen-Zwillinge Lisa & Lena) – Werbeauftritte als Pappaufsteller. Warum die Kosmetikbranche auf Influencer-Marketing im Drogeriemarkt setzt und wozu man Invisibobbles braucht … 

Die ersten Pappkameradinnen auf dem Einkaufswagen-Parcours waren Lisa & Lena. Sie promoten bei Rossmann „Invisibobbles“. Elf Millionen Follower auf Instagram (lisaandlena) dürften helfen, diese „revolutionären Haargummi-Wunderwaffen“, die das Haar nicht schädigen sollen, über Rossmann abzusetzen. Schließlich kaufen sechs von zehn Mädchen zwischen zehn und 14 mindestens monatlich Monat Beauty-Produkte und dies meist im Drogeriemarkt, so die Bravo Girl Beauty Studie 2017. Laut dieser Studie liegt YouTube bei der Suche nach Beauty-Tipps vorne. 84 Prozent der zehn- bis 14-Jährigen nennen die Video-Plattform als Infoquelle für Beauty-Tipps und -Trends (für zwei Drittel ist es Instagram).

Doch zurück in den Drogeriemarkt: Hier sind es nur wenige Schritte von Lisa & Lena zu Zoella. 11,8 Millionen Abonnenten machen sie zu einer der erfolgreichsten YouTuberinnen Großbritanniens. Und dafür darf Zoella jetzt ihre eigene Beauty-Linie „exklusiv bei Rossmann“ vertreiben. Deren Produkte sehen nicht nur aus, als kämen sie aus einem altmodischen Süßwarenladen, sie heißen auch so: „Le Fizz duftende Badebrause“, „Body Fondant“, „Bath Latte“ und das „Sugar Dip Badesalz“.

Aber was die UK-YouTuberin kann, kann unsere Bianca „Bibi“ Heinicke natürlich schon lange. Die YouTuberin (BibisBeautyPalace) hat fast 4,5 Millionen Abonnentinnen und ihre eigene Duschschaum-Linie bilou. Mit der wiederum hat auch sie es zu einem Pappaufsteller bei Rossmann gebracht, damit ihre jungen Fans bei Duschschaum-Träumen wie „Lovely Peach“, „Fizzy Berry“, „Chocolate Cupcake“ oder „Tasty Donut“ direkt zugreifen können.

Wenn das so weitergeht, dürfte es bei Rossmann und in anderen Drogeriemärkten eng werden. Und nicht nur die oben genannte Bravo-Studie, sondern auch eine Bitkom-Befragung spricht dafür, dass PoS-Werbung mit Influencern für junge (Kosmetik-)Produkte so schlecht nicht sein kann. Schließlich sagt jeder dritte sechs- bis 18-Jährige (36 Prozent), dass sein Lieblingsstar ein YouTuber sei. Damit haben die sogenannten Influencer den Idolen aus Sport (23 Prozent) und Schauspiel (18 Prozent) den Rang abgelaufen. Nur Musiker/Bands sind mit 38 Prozent der Nennungen noch etwas beliebter als YouTuber.

„Die Generation Z schafft sich ihre eigenen Idole. Social Media-Stars wie Sami Slimani oder Dagi Bee faszinieren Teenager und haben ein Millionenpublikum“, so Bitkom-Präsident Achim Berg. Dies hätten inzwischen auch Unternehmen erkannt. Internet-Stars tauchten zunehmend im klassischen Marketing auf, etwa in TV-Werbespots und Magazin-Anzeigen: „Immer öfter hören Eltern als Berufswunsch ihrer Kinder: YouTube-Star.“ Also schicke Videos drehen, den ganzen Tag sharen & liken, bei Events über rote Teppiche laufen und sich als Pappaufsteller im Drogeriemarkt verdingen.

 

Influencer-Marketing im Drogeriemarkt: Zuerst stolpert man über Lisa und Lena

Den zweiten Aufsteller bei Rossmann ziert UK-YouTuberin Zoella mit „ihrer“ Produktlinie.

Die dritte Pappkameradin am POS: Bianca „Bibi“ Heinicke mit „ihrer“ Schaumlotion bilou.