Münchens Jugend mag ihre Stadt: Mehr als 90 Prozent schätzen die guten Bildungsmöglichkeiten und die Berufschancen, so die Münchner Jugendbefragung 2016: 87 Prozent fühlen sich in der Stadt wohl. 81 Prozent finden, dass es hier alles gibt, was sie brauchen – außer bezahlbaren Wohnungen. 

Der Wert erinnert an Wahlergebnisse in Diktaturen: Für 97,3 Prozent der Befragten zwischen 15 und 21 Jahren zählen der knappe Wohnraum und die überteuerten Mieten zu den drängendsten Probleme in der Stadt. Für 91 Prozent sind die Preise des öffentlichen Nahverkehrs problematisch (ein Einzelticket des MVV kostet aktuell 2,80 Euro).

Die Ausnahmesituation auf dem Münchner Wohnungsmarkt belegen auch Zitate der Befragten „Es gibt keinen bezahlbaren Wohnraum für normale Menschen in normalen Berufen.“ Und für junge Menschen schon gar nicht: „Selbst wenn man das Geld hat, ist es schwer, eine Wohnung zu bekommen. Weil es immer ältere Personen mit höherem Einkommen gibt, die dem Vermieter mehr Sicherheit bieten.“

76,2 Prozent der jungen Münchner haben die Sorge, keine bezahlbare Wohnung zu finden. 74,3 Prozent fürchten die zu hohen Lebenshaltungskosten. Die Folge: Mehr als die Hälfte der befragten jungen Münchner kann sich nicht vorstellen, dass ihr künftiges Einkommen ausreichen wird, um in München leben zu können.

Im Vorfeld der Münchner Jugendbefragung 2016 wurden fünf Workshops mit 55 Jugendlichen durchgeführt, um die relevanten Themen zu identifizieren. An der anschließenden Online-Befragung nahmen im Frühjahr 2016 rund 1.300 Münchner und Münchnerinnen im Alter zwischen 15 und 21 Jahren teil. Insgesamt hatte der Münchner Oberbürgermeister Dieter Reiter 4.000 junge Münchner angeschrieben und um ihre Meinung gebeten. Die Ergebnisse sind nicht repräsentativ, geben aber einen Einblick in die Lebenssituation junger Menschen in der bayerischen Landeshauptstadt.