Online

Strömendes Vergnügen

Gute Nachrichten für die Volkshochschulen. Das Kürzel VHS gehört ihnen wieder ganz allein. Laut Googles Suchergebnissen jedenfalls scheint schon fast in Vergessenheit geraten zu sein, dass VHS einst auch für Video Home System und damit für die klobigen schwarzen Plastikboxen stand, in denen Magnetbänder die Aufzeichnung und Wiedergabe bewegter Bilder besorgten. Vorbei auch die Zeiten, in denen Online-Videos noch ruckelten oder zuerst mühevoll und stundenlang heruntergeladen werden mussten. Heute wird gestreamt, was das Zeug hält – vor allem, aber nicht nur in jungen Zielgruppen.

E-Mail? Wie altmodisch!

E-Mail ist bei Jugendlichen fast so out wie der klassische Brief auf Papier. Auf die Frage nach ihren drei wichtigsten Kommunikationskanälen nennen nur noch sieben Prozent der 10- bis 18-Jährigen die E-Mail. Lediglich der Brief auf Papier, von der (Schnecken-)Post befördert, wird noch seltener angegeben (drei Prozent). Die wichtigsten Wege um sich mit Freunden auszutauschen sind Handy-Kurznachrichten inklusive WhatsApp (70 Prozent) sowie persönliche Gespräche (66 Prozent), gefolgt von Festnetztelefonaten (36), Social Media (32) und Handyanrufen (28 Prozent) – so eine Umfrage des Branchenverbands Bitkom.
Doch nicht nur deutsche Jugendliche wenden sich von der einst so unentbehrlichen E-Mail ab. Das Marktforschungs-Institut TNS Infratest spricht global schon vom „Death of E-Mail Marketing“.

Spieltrieb

Früher hatten Teenager die Wahl zwischen Mau Mau, Mensch ärgere Dich nicht und Monopoly. Heute spielen 93 Prozent der 10- bis 18-Jährigen Computer- und Video-Spiele. Und zwar je älter, desto lieber und länger: 16- bis 18-Jährige frönen heute im Schnitt 124 Minuten pro Tag dem Spieltrieb auf Smartphones, Computern und Konsolen. Alle gleichauf im Highscore? Fehlanzeige! Während männliche Jugendliche von 10 bis 18 Jahren täglich mehr als zwei Stunden spielend an den Monitoren hängen, reicht die Games-Begeisterung bei Mädchen nur für 82 Minuten.

Native oder naiv?

Native Advertising heißt ein neuer Trend (oder eher ein neues Buzzword?). Dabei geht es nicht etwa um Werbung für amerikanische Ureinwohner, sondern, frei übersetzt, um „natürliche“ Werbung. Will heißen: Online-Werbung, die so gestaltet ist, dass sie sich möglichst wenig vom redaktionellen Umfeld der Webseite unterscheidet. Dem Nutzer soll damit suggeriert werden, es handle sich um solide Information, nicht etwa um (Schleich-)Werbung. Aber es soll schließlich auch informative Werbung geben. Neu ist das alles nicht: Bei Zeitschriften heißen Anzeigen, die wie Redaktion aussehen, Advertorials – und alle Jahre wieder regen sich Medienwächter heftig darüber auf, um sich dann wieder abzuregen. Und dann bleibt alles beim Alten. Kurzum: Werbung, die sich optisch gut in eine Website einfügt, ist schön. Ein Hoch also auf „richtiges“ Native Advertising. Eine Kennzeichnung als Werbung aber gehört sich nicht nur, sie ist auch noch sinnvoll. Denn wer dem Nutzer ein X (Werbung) für ein U (redaktioneller Inhalt) vormacht, verkauft ihn für dumm. Und das ist nie klug. Vor allem Digital Natives sind nicht so naiv, auf Native Advertising hereinzufallen, nur weil nicht „Werbung“ drübersteht. Einen ausführlichen Beitrag zum Thema hat übrigens Dirk Engel in seinem Blog Engels Zunge veröffentlicht. Lesenswert.

Interessiert Sie diese Überschrift?

Nein? Warum lesen Sie dann überhaupt weiter? Norwegische Forscher wissen, warum: Sie haben festgestellt, dass Headlines, in denen eine Frage gestellt wird, Internetnutzer interessieren und zu mehr Klicks führen als „normale“ Stichworte. Noch mehr Zugriffe gibt es, wenn man die Frage in der Überschrift direkt an den Leser richtet. Die persönliche Frage provoziert, so die Forscher der BI Norwegian Business School, sowohl im Netz als auch bei Twitter die höchsten Klickraten. Stellen Sie Ihren Nutzern und Followern also öfter mal eine Frage! Wir gehen mit gutem Beispiel voran und fragen Sie: Wollen Sie mehr wissen? Dann finden Sie hier eine Zusammenfassung der Studienergebnisse (auf Englisch).

Landfrust: Das Internet wird zu langsam schneller

Früher waren Jugendliche auf dem Land aufgeschmissen, wenn die Busverbindungen schlecht waren. Heute sind sie es, wenn die Internetverbindung zu wünschen übrig lässt. Freunde von mir, die vor ein paar Monaten aufs Land gezogen sind, wissen von einem entsprechenden Drama in mehreren Akten zu berichten. Die Kurzfassung: Den schnellen Internet-Zugang fürs dörfliche Idyll hatten sie zwar bestellt, aber nicht bekommen. Jetzt sitzen sie, die sich für einen Teil der digitalen Elite halten, mit zwei Teenager-Töchtern, diversen Tablets, Laptops und Smartphones auf dem Land – und sind quasi abgeschnitten von der Welt.

Online durch die Pubertät

Schon vor der Erfindung des Internets war die Pubertät schrecklich – vor allem für die Eltern. Und der Schrecken fängt heute früh an, meist im Alter zwischen zehn und elf Jahren. Insofern deckt die Arbeitsgemeinschaft Online-Forschung (AGOF), seit sie jüngst die Altersgrenze für die Erhebung der Online-Reichweiten von 14 auf zehn Jahre gesenkt hat, endlich die komplette Pubertät ab. Fast drei Millionen Frühpubertierende, das sind 96 Prozent der Elf- bis 13-Jährigen, sind demnach online aktiv. Der Anteil der Nicht-Onliner in dieser Zielgruppe ist damit genauso hoch wie der Anteil der deutschen Haushalte ohne Fernseher. Doch was tut sich in der Online-Pubertät?