Junge Versicherungskunden – untreu und unzufrieden

In der jungen Zielgruppe ortet die Versicherungsbranche ihr größtes Potenzial: Während 2015 der durchschnittliche Versicherte in Deutschland 4,9 Verträge bei 2,3 Versicherern hatte, gibt es bei den 18- bis 30-Jährigen mit 3,6 Verträgen noch Nachholbedarf. Allerdings sind die Jüngeren ihren Versicherungen auch weniger treu als die Älteren. Dies geht aus dem Kundenmonitor Assekuranz des Marktforschers YouGov hervor. Parallel dazu zeigt der World Insurance Report 2016 von Cap Gemini, dass die junge Zielgruppe mit den Versicherern viel unzufriedener ist als ältere Klienten.

Jeder fünfte unter 30-Jährige hat im letzten Jahr eine Versicherungsgesellschaft durch eine andere ersetzt. Damit wechseln junge Erwachsene mehr als doppelt so häufig wie ältere. Insgesamt haben 2015 vor allem die Direktversicherer von den Versicherungswechseln profitiert, so YouGov.

Der World Insurance Report 2016 (WIR) zeigt indes, dass die 18- bis 35-Jährigen zwar viel häufiger den Kontakt zu Versicherungen suchen, gerade in Deutschland aber wesentlich unzufriedener damit sind als die reiferen Jahrgänge. Zwar nutzen junge Kunden alle Kommunikationswege, um mit Versicherungen in Kontakt zu treten, besonders gerne aber digitale Kanäle: Die Generation Y kommuniziert mit ihrer Versicherung im Vergleich zu älteren Kunden zweieinhalbmal so häufig über soziale Netzwerke und greift auch doppelt so oft zum Smartphone.

Die Unzufriedenheit der jungen Assekuranz-Kunden bezieht sich allerdings auf alle Kanäle: Noch die besten Ergebnisse erzielt die Online-Kommunikation per Laptop oder PC; 41,4 Prozent haben hier Positives zu berichten. Versicherungsmakler freilich schneiden mit einer Zufriedenheitsquote von 21,9 Prozent noch schlechter ab als der Kontakt per Telefon (27,9 Prozent).

Generell schließen die Deutschen Versicherungen häufiger online ab als die Konsumenten in den anderen 29 Märkten, in denen der World Insurance Report erhoben wurde. 30 Prozent der Bundesbürger haben bereits eine Versicherung im Internet abgeschlossen oder erneuert. Rund ein Drittel plant dies auch in den kommenden zwölf Monaten. Unter den 18- bis 35-Jährigen trifft dies sogar auf 37,4 Prozent der Befragten zu.

Solide Kundenbindung an klassische Versicherer? Fehlanzeige – gerade bei jungen Besserverdienenden. Weltweit gibt fast die Hälfte (47 Prozent) der Zielgruppe an, dass sie sich von Technologiefirmen versichern lassen würde, wenn die denn in den Versicherungsmarkt einstiegen.

Der World Insurance Report 2016, den die Unternehmensberatung Capgemini mit der Banken- und Versicherungsorganisation Efma herausgibt, beruht auf der Befragung von 15.000 Versicherungskunden sowie auf über 150 Interviews mit Versicherungsangestellten in über 30 Märkten weltweit.

 

Für den Kundenmonitor Assekuranz 2015 von YouGov wurden zwischen Mai und Oktober 2015 insgesamt 10.188 Menschen zwischen 18 und 69 Jahren repräsentativ befragt. Die komplette Studie sowie eine Auswertung zur Kundenzufriedenheit mit den einzelnen Versicherern und Auswertungen zu Schwerpunktthemen sind kostenpflichtig.

2016-04-17T21:54:35+00:0007 Apr 2016|Banken/Bausparkassen, Kaufverhalten, Online|