Alter schützt vor Torheit nicht? Entgegen landläufiger Meinung treffen ältere Menschen riskantere Entscheidungen als jüngere. Der Grund: Bei Senioren sind positive Emotionen stärker ausgeprägt, was sie Risiken optimistischer bewerten lässt. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung, die soeben in der Fachzeitschrift Psychological Science erschienen ist. Junge Erwachsene dagegen treffen rationalere (in diesem Falle bessere) Entscheidungen.

„Die älteren Probanden waren optimistischer in der Bewertung möglicher Gewinne und wagten demnach mehr. Zudem bewerteten sie mögliche Gewinne und Verluste gleich, während die jüngeren Probanden stärker darauf fokussiert waren, mögliche Verluste zu vermeiden“, so Thorsten Pachur, wissenschaftlicher Mitarbeiter im Forschungsbereich Adaptive Rationalität des Max-Planck-Instituts für Bildungsforschung und einer der Autoren der Studie.

Die Forscher hatten Ähnlichkeiten und Unterschiede bei Risiko-Entscheidungen von 60 jüngeren Erwachsenen im Alter zwischen 18 und 30 Jahren sowie 62 älteren Erwachsenen im Alter zwischen 63 und 88 Jahren verglichen. Bei jeder Option konnte mit gewisser Wahrscheinlichkeit Geld gewonnen oder verloren werden. Insgesamt galt es 105 Aufgaben zu bearbeiten, wobei stets die Information vorlag, welcher Betrag gewonnen oder verloren werden konnte und wie hoch die Wahrscheinlichkeit eines Gewinns oder eines Verlusts war.

Der Befund einer größeren Risikobereitschaft von älteren Menschen widerspricht den Ergebnissen vieler früherer Untersuchungen. Dies erklären die Wissenschaftler mit einem veränderten Studienaufbau: Während in früheren Studien den Probanden meist die Wahl zwischen einer sicheren und einer risikoreichen Option gegeben wurde, waren in dieser Studie beide Optionen risikoreich, aber in unterschiedlichem Maße. Somit mussten sich die Teilnehmer mit den Alternativen genauer auseinandersetzen.

Zusätzlich zu den Unterschieden in der Risikobereitschaft zeigte sich jedoch, dass die älteren Probanden schlechtere Entscheidungen trafen als die jüngeren. Das heißt, sie wählten seltener die objektiv bessere Option, also die Option, die aus ökonomischer Sicht einen höheren erwarteten Gewinn bot. „Die Unterschiede in der Entscheidungsqualität sind auf die Abnahme der fluiden Intelligenz im Alter zurückzuführen, also auf die Abnahme der Fähigkeit, Informationen schnell zu verarbeiten und Probleme zu lösen“, sagt Thorsten Pachur.

Die Ergebnisse der Studie wurden unter dem Titel Who dares, who errs? Disentangling cognitive and motivational roots of age differences in decisions under risk in der Zeitschrift Psychological Science veröffentlicht.