Zum vierten Mal seit 2007 wird heute die World Vision Kinderstudie veröffentlicht. Sie wird häufig als „kleine“ Shell-Jugendstudie bezeichnet – fast so bekannt wie diese, aber mit dem Fokus auf die Jüngeren: In über 2.500 Interviews wurden Sechs- bis Elfjährige in Deutschland zu ihren Wünschen und Sorgen, zu Familie, Schule, Freizeit und Freundschaft befragt. Auch wenn das Thema „Flucht“ in dieser Ausgabe von Kinder in Deutschland 2018 – 4. World Vision Kinderstudie im Mittelpunkt steht, beschäftigen wir uns an dieser Stelle mit marketingrelevanten Aspekten wie der Handy- und Internetnutzung der Kids. 

45 Prozent der Sechs- bis Elfjährigen haben heute ein Handy, fast immer (80 Prozent) ist es ein Smartphone. Das klingt nicht viel – wobei man bedenken muss, dass die Sechs- bis Siebenjährigen, von denen erst 15 Prozent über ein eigenes Gerät verfügen, den Durchschnitt gewaltig nach unten ziehen. Was daran liegen dürfte, dass die jüngsten Befragten Lesen und Schreiben noch nicht gelernt haben (oder es zumindest als wenig vergnüglich empfinden) und die Eltern den Sinn eines eigenen Smartphones nicht im Spielen sehen.

Ganz anders bei den Zehn- bis Elfjährigen: Hier verfügt nur eine kleine Minderheit von 18 Prozent nicht über ein eigenes Mobiltelefon. Noch deutlicher als der Handybesitz ist von 2010 bis 2017 die Internetnutzung der Sechs- bis Elfjährigen gestiegen: In dieser Zeit hat sich der Anteil der Kinder, die regelmäßig unter der Woche das Internet nutzen, in allen drei Altersgruppen (sechs bis sieben, acht bis neun, zehn bis elf Jahre) jeweils verdoppelt.

38 Prozent der Sechs- bis Elfjährigen sind regelmäßig unter der Woche online. Fast die Hälfte der Kids schaut im Internet „sehr oft“ YouTube oder Filme. 42 Prozent nutzen das Internet sehr häufig zur Kommunikation per Snapchat oder WhatsApp, fast ebenso viele für Spiele.

Wie in anderen Kinderstudien zeigt sich auch in der von World Vision, dass es schon bei Kindern einen „Gender Gap“ gibt – hier zum Beispiel sowohl beim Handybesitz als auch bei der Online-Nutzung. So haben beispielsweise 18 Prozent der sechs- bis siebenjährigen Mädchen, aber nur zwölf Prozent der gleichaltrigen Jungs ein eigenes Handy. Mädchen nutzen das Internet eher zur Kommunikation, Jungs stärker für Spiele.

Insgesamt entwickelte sich die Nutzung von WhatsApp oder Snapchat in der Altersgruppe der Zehn- bis Elfjährigen zur wichtigsten Online-Anwendung (von 57 Prozent „sehr oft“ genutzt).

Enorm gestiegen ist in den vier Jahren seit der letzten World Vision Kinderstudie die Bedeutung von Musik bei der Online-Nutzung: Während 2013 gerade mal sechs Prozent der Kids zwischen sechs und elf Jahren sehr oft Musik online hörten oder herunterluden, waren es im Erhebungszeitraum der aktuellen Studie mehr als ein Viertel (26 Prozent). *

Die World Vision Kinderstudien erscheinen seit 2007 regelmäßig und beschäftigen sich mit den konkreten Lebenswelten von Kindern im Alter zwischen sechs und elf Jahren. „Kindern eine Stimme geben, ihnen auf Augenhöhe begegnen und die

Voraussetzungen dafür schaffen, dass sie als gleichberechtigte Mitglieder der Gesellschaft behandelt werden“, so beschreibt Christoph Waffenschmidt im Vorwort der Publikation die übergeordneten Ziele der Studie.

Für die 4. World Vision Kinderstudie ließ die Hilfsorganisation durch Kantar Public (früher TNS Infratest Sozialforschung) zwischen Ende Januar und Ende März 2017 insgesamt 2.550 Kinder in persönlichen Interviews (CAPI) befragen. Hinzu kam eine qualitative Erhebung mit zwölf Porträts von Kindern.

Die aktuelle Studie kann hier bestellt werden: https://www.beltz.de/fachmedien/paedagogik/buecher/produkt_produktdetails/34178-kinder_in_deutschland_2018.html