Junge Entscheidungsträger haben wenig Hemmungen, sich im Job unethisch zu verhalten, wenn es denn der eigenen Karriere oder der Firma dient. In Zeiten, in denen kaum ein Nachwuchsmanager um eine Compliance-Schulung herumkommt, könnte man annehmen, dass die Jüngeren ein besonders ausgeprägtes Unrechtsempfinden haben – das Gegenteil ist der Fall, stellt E& Y in einer internationalen Studie fest. 

25- bis 34-Jährige sind in allen 41 Ländern, in denen die Studie durchgeführt wurde, eher als Ältere bereit, unethisches Verhalten im Beruf zu rechtfertigen. Beispiel Korruption: Jeder vierte junge Entscheider hält es für angebracht, Schmiergelder anzubieten, um neue Aufträge zu gewinnen oder bestehende weiterzuführen. Im Durchschnitt aller Altersgruppen würde dies nur jeder sechste tun.

„Früher war der typische Wirtschaftskriminelle männlich und 40 Jahre alt, heute geht die Gefahr vor allem von der Generation Y, also den 25- bis 34-Jährigen, aus“, betont Stefan Heißner, Leiter des Bereichs Fraud Investigation & Dispute Services bei Ernst & Young, gegenüber der Frankfurter Neuen Presse.

73 Prozent der jüngeren (aber nur 59 Prozent aller) Entscheider stimmen dem Statement zu: „Unethische Verhaltensweisen können gerechtfertigt sein, wenn sie dazu beitragen, ein Unternehmen über einen Wirtschaftsabschwung zu retten.“

Über alle Altersgruppen hinweg sind deutsche Manager offenbar eher bereit, für ihre eigene Karriere zu unlauteren Mitteln zu greifen, als zum vermeintlichen Wohl der Firma. So sagt fast ein Viertel (23 Prozent) von sich, dass sie für das eigene berufliche Fortkommen und eine höhere Bezahlung unethisch handeln würden. Die jungen Entscheider in Deutschland liegen damit deutlich über dem weltweiten Durchschnitt von 21 Prozent insgesamt und drastisch über dem West-Europa-Schnitt von 14 Prozent.

Zu diesen Ergebnissen kommt der EMEIA Fraud Surey der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY (Ernst & Young), für die rund 4.100 Entscheidungsträger aus Unternehmen in 41 Ländern (in Europa, dem Mittleren Osten, Indien und Afrika) befragt wurden, davon 100 aus Deutschland.